· 

2015 am Hauptbahnhof

Nachmittag am Hauptbahnhof 2015. Ein paar Frauen und

Männer in Uniforme des Roten Kreuzes rauchen und reden vor dem Ersten Hilfe Punkt. Ein paar Plakate mit Pfeilen, wo man sich als Freiwilliger Helfer melden kann. Es gibt eine Liste, wo man den Namen und Versicherungsnummer eintragen kann. Jeder kann diese Liste mit dem Handy fotografieren, also einen Datenschutz ist nicht vorhanden.

 

Allerdings verlangt niemand einen Ausweis, also man kann sich auch mit einem erfundenen Name und Versicherungsnummer eintragen. Wie sonst überall üblich als Freiwillige bei Rotem Kreuz.

 

Die Freiwillige sollen die Feldbetten und die Kunststoff

Schalen putzen. Die Feldbetten müssen weggeräumt werden, die Migranten schauen verängstig aus, lassen alle ihren Sachen liegen und rennen weg, was die Freiwilligen in diesem Moment nicht so ganz verstehen.

 


Die schwangeren Frauen, die noch im Raum liegen, werden

von jemand, der als Arzt auftritt, eine nach der andere Untersucht. Eine nach der andere gehen sie weinend wieder zu ihren Betten, denn man sagte denen, dass ihre Kinder in Mutterleib gestorben sind. Sie sollten eigentlich in einer Krankenhaus gebraucht werden, jedoch ohne Versicherung oder Bar Bezahlung wird das nicht möglich sein.

 

Einen Kind zu bekommen soll ja in Europa einen Luxus sein. Sie werden noch sehr lange vergeblich auf einen Krankenwagen weinend warten.

 

Irgendwann werden sie in einem Zug nach Deutschland gesetzt. 

Vitamin Spritze

Eine Krankenschwester sucht nach einen Dolmetscher, denn es gibt nur für sehr kurze Zeit die Möglichkeit einer Vitamine Spritze gratis zu bekommen. Acht junge, allein reisende Männer werden dafür gesucht.

 

Der Dolmetscher versteht nicht, warum nicht eher Kinder oder Frauen für eine Vitamin Spritze in Frage kommen. Ein Herr in Uniform des Roten Kreuzes leistet für eine gute halbe Stunde Überzeugungsarbeit. Acht junge Männer bekommen die Vitamin Spritze.

 

Sehr früh am nächsten Tag sehen Freiwillige ein paar

Rettungswagen, die wegführen. Einen Wagen des roten Kreuzes und eines des Samariter Bundes waren noch dort. Drei-vier Freiwilligen in Uniform standen vor der Tür und warteten. Einer hatte sogar ein mitfühlendes, trauriges

Gesichtsausdruck.

 

Drinnen lag noch der letzten jungen Mann in einen Kunstschalle am Boden und atmete alleine gerade seine letzten Atemzüge ein. Seine Augen waren weit offen.

 

Die Freiwilligen von der Rettung sagten, sie seien alle am Erschöpfung und Muskelversagen verstorben.


Die nette Familie, die aus dem eigenen Haus in Aleppo (Syrien), vor bewaffneten IS Terroristen durch den Hintereingang gerade noch weglaufen konnte, und am Erster Hilfe Punkt gegenüber den jungen Männer gelegen war, schaute nur mit Trennen in Augen und sagte nichts.

Sie bekamen alle vier Plätze in den nächsten Zug nach Deutschland, allerdings sprachen zwar alle (auch die zwei Kinder) sehr gut auf Französisch, aber kein Wort auf Deutsch oder Englisch.


 

© 2020 Nicoleta Schiel