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2015 - Maxerstrasse

Ein verlorener Pass

 

Ein junger Mann rennt die Stufen runter, schaut sich verängstigt um, rennt die Stufen wieder rauf. Die Freiwillige von Rotem Kreuz lachen ihm aus und meinen er wäre wieder nur ein Verrückter (nein, nicht als Beschimpfung sondern als sichere Diagnose gemeint, denn in der Stadt von Freud kann ein Jeder mit einer „passende Jacke“ so etwas einfach nur von Sehen "professionell" feststellen).

 

Ihm fragen braucht man doch gar nicht mehr.

 

Zum Glück für den jungen Mann aus Syrien denkt jemand dort ein wenig anders. Und dieser findet heraus, dass er seinen Pass verzweifelt sucht. Nach ein paar Stunden recherchieren, stellt sich heraus, dass ein anderen junger Mann aus Afghanistan sein Pass entwendet hat. Als einziger Afghane zwischen Syrier hatte er Angst, entdeckt und getötet zu werden. Ein Terrorist wollte er nicht werden, er wollte keine Menschen töten und deshalb ist er weggelaufen, deshalb musste er sich als Syrier ausgeben. Er hatte Angst weiter nach Deutschland mit den anderen zu reisen, denn früher oder später werden es die anderen herausbekommen.

 

Wenn er in Österreich Asyl beantragen kann, wird er der Pass den anderen Jungen zukommen lassen.

 

Das tat er auch. Wäre es nach der Freiwilligen des Roten Kreuz, hätte es um einiges schlimmer kommen können. 

 

© 2020 Nicoleta Schiel