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Epidemien - Höchst aktuelle Bedeutung

"Wie würden unserer Mitmenschen, wie würden wir selbst reagieren, wenn wir plötzlich mit einer der Pest des 14. Jahrhunderts vergleichbaren Seuche konfrontiert würden? Wenn von heute auf morgen, der Tod wie eine Grippe oder Schnupfen übertragen werden würde? Würde unsere Gesellschaft mitfühlend, sozial, mittleidend und mutig auf bedrohende Seuchen reagieren?" fragte ich rhetorisch meine Kollegen am Anfang meines mir zugewiesenen Referates über die Pest an WIFI Reiseleiterkurs am 06.11.2013. Ich schaute in leere oder ironische Augen mit der offensichtlicher Gedanken  "Wem soll das interessieren? Pest oder eine andere Pandemie wird es bei uns nie geben". Covid19 hat uns eines Besseren gelehrt. 2020, 2021 und vermutlich noch länger wird die Pandemie unseren Leben, unseren Reiseverhalten, unseren Urlauben bestimmen. Nur das: wenn wir Glück haben und die Impfungen funktionieren. Wenn wir Glück haben wird das Sterben rechtzeitig gestoppt und die Wirtschaft wird nur mit einem blauen Augen davon kommen. Hoffen wir es und überlegen wir weiter:

 

Was wird über unsere Reaktion an die Pandemie Covid19 in der Geschichte der Menschheit eingetragen?

 

Welche Parallele, welche Muster gibt es zwischen Verbreitung und Bekämpfung der Pest und die von Covid19? Was können wir daraus lernen, was könnten wir anwenden, damit es zu keiner wirtschaftlichen, sozialen, ethischen Katastrophe demnächst kommt?

 

Bis ins frühen 18. Jahrhundert bedeutete der Umgang mit Pandemien vor allem Umgang mit der Pest. 

Gesunde Männer, Frauen und Kinder wurden, oft innerhalb weniger Stunden, von einer neuen, schmerzhaften, ansteckenden und unheilbaren Seuche getötet, nachdem sie meist schon nach Auftreten der ersten Krankheitssymptome aus der menschlichen Gemeinschaft ausgestoßen worden waren.

 

Warum weigern sich manche Menschen heute eine Maske zu tragen und Abstand zu halten? Warum wollen manche Menschen spezielle Rechte nach der Impfung, obwohl die Impfung vermutlich keine Wirkung gegen die Übertragung der Erreger hat?

 

Seuchen lösten Familienbande, provozierten und entschieden Kriege, stürzten Dynastien, verursachten Völkerwanderungen, führten zu Hungersnöte, riefen soziale Spannungen hervor und beeinflussten das religiöse Verhalten.

 

Wollen wir das wieder erleben? Haben Sie sich für die Impfung vormerken lassen? Tragen Sie die Maske richtig und nicht unter der Nase? Lassen Sie sich testen? Halten Sie abstand? 

Vergleich von "Covid"-Finger 2021 und Pest Hand
Vergleich von "Covid"-Finger 2021 und Pest Hand

Die Bekämpfung der Pest

Die Regierende versuchten seit der Justinianischen Pest aufkeimende Seuchen zunächst für harmlos zu erklären.

 

Man zögerte bewusst, die Pest und die mit ihr verbundene Gefahren öffentlich anzuerkennen.

 

Aus Angst vor Panik, Massen - Hysterie, Massenflucht und unkontrollierbarem Verhalten der Erkrankten und Gefährdeten unterstellte man in der Regel zunächst harmlosere Diagnosen.

 

Der Ernstfall wurde sozusagen billigend in Kauf genommen, obgleich bei einer so aggressiven Seuche wie der Pest im Falle eines Irrtums ein Massensterben unvermeidlich schien.

 

Dieses Phänomen der anfänglichen Verharmlosung lässt sich bis ins 18 Jahrhundert beobachten und sogar in 2020/2021.

Die Pest

Die Krankheit wird durch den Pestbazillus, Yersinia bzw. Pasteurella Pestis hervorgerufen, den Alexandre Yersin 1894 während einer Epidemie in Hongkong entdeckte. Hauptwirte des Erregers sind kleine Nager, besonders aber Ratten, die über bereits infizierte Artgenossen durch den Biss des Ratten - oder Pestflohs infiziert werden. 

 

Die Infektion mit dem Pestbazillus erfolgte aber nicht nur durch Flohbiss, Kratzen oder Hautläsionen, sondern ebenso über den Nasen-Rachen-Raum.

 

Es gibt also zwei große Ansteckungswege: durch die Haut und über die Lungen.

 

Die Hautinfektion, im „klassischen“ Fall durch Flohstiche hervorgerufen, führt in der Regel zur Beulenpest (Bubonenpest). Nach einer Inkubationszeit von einem bis sechs Tagen entsteht an der Einstichstelle eine Nekrose, die sich blau-schwarz verfärbt (Schwarze Blattern). Zwei oder drei Tage später bildet sich eine Schwellung der regionalen Lymphknoten, die zum eitrigen Aufbrechen neigen. 

 

Nach etwa einer Woche erfolgt, unter rasenden Kopfschmerzen, Benommenheit, Fieberschüben und allgemeiner Erschöpfung, eine langsame Besserung, oder die Lymphbarriere bricht durch, die Erreger gelangen in die Blutbahn. Die nachfolgende Septikämie führt fast immer zum Tode.

 

Die hochgefährliche primäre Lungenpest, die wie Schnupfen oder Grippe über den Nasen-Rachen-Raum übertragen wird, also durch „Tröpfcheninfektion“, hat eine Inkubationszeit von einem bis zwei Tagen und ist durch Herzrasen, Bluthusten, Atemnot und schließlich Ersticken aufgrund einer Nervenlähmung sowie der Lungengewebszerstörung gekennzeichnet. Sie führt fast immer zum Tode.

 

Das Ende kann unter Umstände schon nach wenigen Stunden eintreten. Boccaccio berichtet von gesunden, jungen Menschen, die sich morgens noch ihrer Gesundheit erfreuten, „ um am Abend darauf in der anderen Welt mit ihren Vorfahren zu tafeln.“ Ein solcher rascher Tod war aber die Ausnahme. Er trat im Regelfall nach ein bis zwei Tagen ein. Bei Personen mit herabgesetzter Resistenz, bei neugeborenen oder Alten, war jederzeit mit einem Lungenbefall zu rechnen.

 

Die Krankheitsdauer variierte in beiden Pestfällen, und es gab Menschen, die die Beulenpest überlebten. Eine begrenzte Zeit waren sie sogar dagegen immun.

 

Die genaue Wirkung des Pesterregers auf den menschlichen und tierischen Organismus ist heute bekannt. Lymphzellen und „Makrophagen“ sind nicht nur unfähig, Yersinien abzutöten, sondern nehmen sie fatalerweise als Wirtszellen auf. 

 

Eine Pestwelle wurde in 1945 mittels DDT bekämpft. Allerdings entwickelten die Rattenflöhe bald gegen DDT Resistenzen.

Es gibt in der heutigen Zeit ein Antibiotikum und auch eine Impfung. Die Amerikanische Soldaten wurden trotz ausgeprägten Nebenwirkungen 1940 damit geimpft.

 

Die Pest wurde leider auch durch andere Seuchen abgelöst, wie z.B in 1918 die Grippeepidemie. Seit 1968 starben an Krankheiten wie SARS und die „Vogelgrippe“ bereits Millionen von Menschen. Wie viele sind seit 2019/(oder bereits 2018?) an Covid19 gestorben?

Die Beulenpest
Die Beulenpest

Die Pest in Europa

Die Pest kam aus China

Ursprünglich aus China wurde die Beulenpest bereits 541 unter Justinian von Ägypten aus der levantinischen Hafenstädte eingeschleppt. Justinian war römischer Kaiser von 527 bis 565 und erkrankte selbst an der Pest, wurde aber wieder gesund. Während der Kaiser sie optimistisch im März 544 „offiziell“ für erloschen erklärte, flackerte die erste Pest der europäische Geschichte bereits 577 wieder auf und blieb etwa 200 Jahre endemisch (sie tritt nur hier und dort in unregelmäßigen Abständen auf, ohne dass sie sich dabei zu einer wirklichen Epidemie entwickelt). 

Die Pest erreicht im Frühjahr 1347 nochmals eine europäische Stadt, Caffa (das heutige Feodosia) auf der Krim und erreichte zu dieser Zeit bereits Persien, Kardien, Armenien, Tarus, Georgien, Mesopotamien, Nubien, Äthiopien, Turkmenien, Ägypten, Griechenland sowie das Gebiet der Sarazenen. In kurzer Zeit brach der Handel in der Levante zusammen. Auf Schiffe von Kaufleute reisten infizierte Pest - und Menschenflöhe nach Süden und Westen. Die Pest hatte bereits 1347 Konstantinopel und fast alle Hafenstädte des östlichen Mittelmeeres erreicht.

 

In Bombay brach in 1896 eine stärkere Pestseuch aus. Sie wurde als Bedrohung für Europa empfunden und einige Häfen im Nahen Osten und Südamerika waren bereits kontaminiert. Viele Forscher fuhren hin, manche - wie der Österreicher Hermann Franz Müller - infizierten sich und starben. Ratten wurden bestätigt als Ausbreitungsfaktoren. Hunde, Katzen, Pferde und Rinder waren hier anfällig für die Infektion. In China starben von 1910 bis 1911 in der Mandschurei 50.000 Menschen. 

Hafenstädte - Barcelona

Die Häfen waren ideale Umschlagplätze für Ratten - und Menschenflöhe. Die Pest wurde durch ein Schiff im Hafen von Marseille in Frankreich sowie auch in Skandinavien und England eingeschleppt. 

Die Hafenstadt Barcelona wurde 1589/90 wie auch 60 Jahre später von einer verheerenden Pest ausgesucht. Hungersnot, soziale Spannungen und Krieg verschlimmerten die Situation. 

Italien

Italien war das erste westeuropäische Land, das von der Pest heimgesucht wurde. Etwa 30-50% der Gesamtbevölkerung starben an der Pest.

Von den Häfen gelangte die Seuche auch ins Hinterland, so von Genua in den Appenin und die Lombardei. Die Behörden und Ärzte waren hilflos, die Gesetze wurden zunehmend missachtet, die Menschen verzweifelten. 

Wie in Venedig, Florenz oder Paris sollten Obdachlose sehr viel zur Ausbreitung der Seuche beitragen. 

In Italien leidet die Bevölkerung bereits 1344 und 1347 an der Hungersnot: über 4000 Menschen waren seit 1346 an Hunger gestorben. Die Lebensmittelpreise waren durch Missernten bereits vor der Pest in die Höhe geschossen.

 

Nach dem Pestausbruch ließ man nach kurzer Zeit neue Friedhöfe anlegen. Schichtweise wurden die Leichen übereinandergelegt. Erinnern Sie sich an die Leichen-Transporten in Italien und an die zusätzliche Lagerräumen für Leichen in Deutschland, die auf Verbrennung warten mussten?

 

Bittgottesdienste und-Prozessionen kennzeichneten den Alltag. 2020 wurden diese als "AntiCovid Maßnahmen-Demos" in der Medien bekannt. Das Gnadenbild der Madonna von Impruneta wurde durch die Stadt getragen. Da Florenz voller Landflüchtlinge war, kamen mehr Leute um, als von der Einwohnerzahl her zu erwarten war. Man war auch nicht mehr in der Lage, Getreide in der Stadt zu verteilen, wodurch die Hungersnot zunahm. Da die notwendigen Nachtwächter und Aufseher fehlten, konnten die Bürger auch nicht vor der zunehmenden Kriminalität geschützt werden. Niemand fand sich mehr zum Wehrdienst bereit, und die Bewachung der florentinischen Grenzfestung wurde schwierig.

 

Die Bevölkerung reagierte an die fatale Bedrohung sehr unterschiedlich: Genuss und Sinnesfreude nahmen sogar zu. Diese wurden 2020 als "Corona Parties" in der Medien benannt.

Eigensucht und Egoismus breiteten sich aus. 2021 als "ICH werde zuerst geimpft" bekannt.

 

Besonders die Armen der Stadt (z.B. in Florenz, Venedig, London) die in beengten Verhältnissen lebten und keine Fluchtmöglichkeit hatten, wurden von der Seuche hinweggerafft. 

Der Kaiser, die Kurfürsten und Landesherren flohen von Ort zu Ort, überzeugt davon, dass das beste Mittel gegen die Seuche die Flucht darstellte. Reisende und Fremde waren deshalb überall verdächtig. Der Kontakt mit Unbekannten bedeutet ein unabwägbares Risiko. Die Pest hatte innerhalb von zwei Jahren Frankreich, Italien und Deutschland verändert und niemand konnte mehr ausschließen, dass das Ende der Menschheit bevorstand. Auch darüber wird 2021 spekuliert. 

In Venedig wurden die Ausgaben der Stadt erheblich höher als die Einnahmen. 2021 ist das im ganzen EU der Fall.

London

London war zwischen 14 und 17 Jahrhundert eine Stadt voller Elendsquartiere aus Holz, in denen arme Familien zusammengepfercht lebten. Viele Ärzte machten auf die Gefahren der unhygienischen Zustände in einer Stadt mit 500.000 Einwohnern aufmerksam, doch ergriffen die Verantwortlichen keine Gegenmaßnahmen. Als die Pest aus Holland kam und im April 1665 ausbrach, konnte sie sich daher sehr schnell verbreiten.

 

Überbevölkerung hatte in London bereits vor der Pest eine Krise des öffentlichen Gesundheitswesens verursacht. Noch 1348 war die Fleet, ein wichtiger Nebenarm der Themse, mit Unrat und Abfällen vollgestopft, so dass das Wasser kaum weiterfließen konnte.

 

In der Stadt London existierten 1344 riesige Müll - und Schuttplätze. 1349 ermahnte der König den Bürgermeister, endlich die Straßen von Fäkalien zu befreien, da sie die Luft der Stadt vergifteten, was „besonders während dieser ansteckenden Pestseuche“ Lebensgefahr für alle Bewohner bedeutete.“ Leider fehlte dafür das Personal. Täglich starben etwa 300 Menschen. 

 

Eltern brachten ihre toten Kinder selbst zur Kirche und warfen sie daraufhin in ein Massengrab. Hier gab es ein solch penetranter Gestank, dass niemand es noch wagte, in die Nähe des Friedhofs zu gehen.

 

1665/66 kehrte die Pest nach London zurück. Innerhalb weniger Monate gab es 68.000 Opfer.

In England überleben außerdem am ehesten die Kinder. 

 

Die Pest verursachte eine gewaltige Schädigung der Woll-und Tuchindustrie.  Südenglands Handel war auf Jahre paralysiert. Überall stieg die Kriminalität an, und wie in Florenz entwickelten sich Hedonismus und eine übersteigerte Lebensgier. Besonders die Londoner galten als egoistisch, stolz und arrogant.

Die Wirtschaft und die Gesellschaft in Pestzeiten

In Italien starben viele Berufe aus.

Viele Läden, Häuser, Villen und Paläste standen leer. In einer offiziellen Verlautbarung im Oktober 1348 stellte die Regierung fest, dass einerseits viele Bürger verarmten, andererseits viele Arme (durch die Pest) reich geworden waren. Die einfachen Leute zogen es vor, sich an ererbten oder herrenlosen Luxusgegenständen zu erfreuen wie an Kleider. Auch viele Klöster und Bruderschaften hatten vom Schwarzen Tod profitiert, unter anderen auch als Nutznießer von Testamenten. 

 

Jeder kümmerte sich nur noch um eigenes Überleben. Viele Kranke verzweifelten und verhungerten, von den Mitmenschen verlassen. Manche Regierungen ließen noch lebende Pestkranke „aus Sicherheitsgründen“ zu den Massengräbern transportieren. Angehörige schlossen  die Todgeweihte in ihren Häusern ein, um sie verhungern zu lassen. Menschen wurden zu Bestien, Sterbende beraubt und ermordet. Wachmänner und Totengräber bereicherten sich, die Moral der Menschen fiel der Überlebensgier zum Opfer. 

 

Die Preise für Lebensmittel stiegen stark an. Backwaren und Zucker wurden sehr teuer genauso wie Hühner (deren Fleisch als Pestprophylaktikum galt) und entsprechend Eier. Reich wurden in Florenz auch die Priester und Bettelbrüder, die sich ihren geistlichen Beistand hoch bezahlen ließen. In Venedig wurden die Ausgaben der Stadt erheblich höher als die Einnahmen. 

Die Pest in Wien

In Wien erlebte man 1679 wieder eine schreckliche Pestseuche, die durch den politischen Kalkül der Behörden zu einer richtigen Katastrophe wurde. Durch viele offizielle Empfänge verleugnete der Adel die Pest Pandemie. 

Bibliographie

"Die Pest 1348 in Italien. Fünfzig zeitgenössische Quellen" Klaus Bergdolt, Heidelberg 1989

Der „Schwarzer Tod“ im 14 Jahrhundert, Stuttgart 2005

Die Pest. Geschichte des Schwarzen Todes, Klaus Bergdolt, München 2006

 

© 2021 Nicoleta Schiel