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Die Anfänge des Weihnachtsbaumes in Wien

Die älteste Darstellung eines Weihnachtsbaum in Österreich befindet sich im "Illustrierten Erinnerungsbüchlein für die Wiener Kaufmannsfamilie Carl Baumann, 1820" (Wien Museum).
Die älteste Darstellung eines Weihnachtsbaum in Österreich befindet sich im "Illustrierten Erinnerungsbüchlein für die Wiener Kaufmannsfamilie Carl Baumann, 1820" (Wien Museum).

Schriftliche Beschreibungen eines grünen Baumes mit brennenden kleinen Kerzen gibt es bereits unter Joseph I.

 

Lange davor brachte oft am 6. Dez. den heiligen Nikolaus ein kleines Nadelbäumchen, der voll von Backwerk und Obst und noch ohne Kerzen war.

In manche Länder wird den Kinder erzählt, dass der Nikolaus an braven Kindern ein Tannenbaum und viele Geschenke bringt.

Die Bescherung dürfte damals eher zum Nikolaus stattgefunden hat.

Manche neugieriges Kind versucht ja nicht einzuschlafen, damit es endlich Nikolaus sieht und sich bei ihm für alles bedanken kann und statt Nikolaus den Opa oder den Papa beim Baum aufstellen ins Wohnzimmer erwischt.

 

Dieses Kind wird sich anderes bedanken, in dem er versuchen wird immer das Richtige zu tun, und auch anderen Menschen unentdeckt zu helfen, wenn diese es wirklich und am Nötigsten haben, ohne dafür Dankbarkeit oder Belohnung zu verlangen.

Hoher Markt, Model aus Holz im Pratermuseum
Hoher Markt, Model aus Holz im Pratermuseum

Am Hoher Markt 1 Ecke mit Landskrongasse 2 betrieb vor mehr als 200 Jahren eine Bankier-Gattin und Tochter Namens Fanny von Arnstein einen Salon, der besonders zur Zeit des Wiener Kongresses ein Zentrum des Gesellschaftslebens wurde.

Künstler waren hier ebenso zu Gast wie ausländische Staatsmänner sowie Angehörige des Hohen Adels und des Klerus.

Zu Weihnachten 1814 stand hier der erste Christbaum Wiens.

 

Fanny von Arnstein hatte den Brauch aus dem protestantischen Norddeutschland ins katholische Wien gebracht.

 

Franziska (Fanny) Freifrau von Arnstein war die Tochter des Berliner Bankiers Daniel Itzig und seiner Frau Mariana (Mirjam), und wurde oft "die schöne Fanny" oder "Baronin Vögele" genannt.

Das Mädchen erhält wie auch ihre 15 Geschwister eine gründliche Ausbildung, bei der – wie bei höheren Töchtern ihrer Generation üblich – vor allem künstlerische Fächer eine zentrale Rolle spielten.

 

17-jährig heiratete Fanny 1776 den Bankier Nathan Adam von Arnstein und zog zu ihm nach Wien. 

 

Das Bankhaus war drei Jahrzehnte lang für das Finanzwesen in Österreich bestimmend.

Tätigkeiten: Übernahme großer Staatsanleihen, Finanztransaktionen, Geldleihgeschäfte, Heereslieferungen und mehr.

Es war wesentlich an der Gründung der Österreichischen Nationalbank in 1816 und der Ersten österreichischen Spar-Casse beteiligt.

 

Franziska Arnstein betätigte sich auch als Philanthropin. So unterstützte sie sowohl das Krankenhaus der Elisabethinen als auch das Israelitische Spital in Wien und organisierte die Pflege der in den napoleonischen Kriegen verwundeten Soldaten.

Fanny von Arnstein führte ein großbürgerlicher Salon, der während des Wiener Kongresses ein geistiger und gesellschaftlicher Mittelpunkt Wiens war.

 

Fanny war auch Mitbegründerin der Gesellschaft der Musikfreunde (bekannt für das Neujahrkonzert).

1815 dürften bereits viele Menschen ein Weihnachtsbaum selbst aus dem Wald geholt haben, denn es gibt eine Verordnung der niederösterreichischen Regierung, die im Zusammenhang mit Waldschutzbestimmungen auch Weihnachtsbäume erwähnt und bei Missbräuchen mit deren Konfiskation droht.

Die sehr beliebte Fürstin Henriette von Nassau-Weilburg, eine helvetisch-protestantische Prinzessin stellte 1816 einen Weihnachtsbaum in ihren Palais am Ecke Seilerstätte/Annagasse 20, wo heute sich das Haus der Musik befindet.

Sie war die Gattin jenes Erzherzogs Carl (adoptierter Sohn von Marie Christine und Sieger in der Schlacht bei Aspern gegen Napoleon am 21/22 Mai 1809).

Das Ehepaar lebte damals im Stadtpalais Annagasse 20, Seilerstätte 30 (Erzherzog-Carl-Palais) und hier hat Henriette ihren ersten Christbaum (der zweite in Wien) vermutlich 1816 nach der Geburt ihrer Tochter Maria Theresia Isabella (31. Juli 1816) aufgestellt.

 

Der Christbaum wurde zumindest im Haus Erzherzog Carls zur Tradition, auch wenn nicht für jedes einzelne Jahr ein Beleg existiert.

Franz II / I Hofburg, Wien
Franz II / I Hofburg, Wien

Kaiser Franz II/ I., der an der Weihnachtsfeier teilnahm, gab daraufhin den Auftrag, auch in der Hofburg eine kerzengeschmückte Tanne aufzustellen.

Adelige Familien folgten daraufhin dem Beispiel des Hofs, doch dauerte es längere Zeit, bis sich der Christbaum in Wien durchsetze.

Der Tannenbaum mit den Kerzen und dem Schmuck rief unter dem Wiener Adel und den Künstler der damaligen Zeit solche Begeisterung hervor, dass bereits im darauffolgenden Jahr viele ihrem Beispiel folgten.

 

Heute gibt es kaum eine Wiener Familie, die nicht ihren Weihnachtsbaum hat.

Erzherzog Johann, Bild im Wien Museum
Erzherzog Johann, Bild im Wien Museum

Carl übersiedelte 1822 mit seiner Familie in das Palais seines zu Anfang des Jahres verstorbenen Zieh-Vaters, Albert Kasimir von Sachsen-Teschen (die heutige Albertina).

 

Als sein Bruder Erzherzog Johan 1823 auf Besuch bei Carl war, sah er dort einen großen Lichterbaum und auch bei ihm war nächsten Jahr einen zu sehen.

 

Von Rudolf von Alt wird berichtet, dass in seinem Elternhaus 1817 ein Christbaum aufgestellt wurde.

 

Als der Burgschauspieler Heinrich Anschütz 1821 eine Christbescherung mit Christbaum plante, stieß er noch auf Unverständnis in der Bevölkerung.

 

Allmählich wurde es jedoch in Wien selbstverständlich, am Weihnachtsabend einen Christbaum aufzustellen, doch geschah dies in katholischen Kreisen nur zögernd, weil der Christbaum die Vormachtstellung der Weihnachtskrippe bedrohte. Die religiös-gesellschaftliche Veränderung liegt zweifellos in der Verlagerung der Bescherung (mit Christbaum) vom Nikolaustag auf den Weihnachtsabend.

Weihnachtsbaum vor dem Rathaus in Wien
Weihnachtsbaum vor dem Rathaus in Wien

Der erste öffentlicher Christbaum stand in Währing, wie eine Tagebuchnotiz beweist, 1829 in der Villa Friedrichs von Gentz (18, Währinger Straße 169-171). Im selben Jahr wurden beim Schottentor bereits Bäume zum Verkauf angeboten. 1851 glich, einem zeitgenössischen Bericht zufolge, der Platz Am Hof in der Vorweihnachtszeit einem Wald, auch in Mariahilf wurden zahlreiche Bäume zum Kauf angeboten.

 

Vor dem Rathaus steht seit 1959 alljährlich eine (abwechselnd von den österreichischen Bundesländern oder dem benachbarten Ausland gespendete) etwa 30 Meter hohe Fichte, seit 1975 als Mittelpunkt des größten Wiener Christkindlmarktes. 1986 wurde diese Tradition wegen des "Waldsterbens" unterbrochen.

Der höchste Weihnachtsbaum, der je in Wien ausgestellt wurde, war 39,4 Meter hoch und kam 1971 aus der Steiermark.

Wie die ausgedienten Christbäume, die bei den Sammelstellen der Magistratsabteilung 48 (Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark) abgegeben werden, finden auch die gefällten Christbäume vom Rathausplatz für die Gewinnung von Strom und Fernwärme Verwendung. 

Schöne Weihnachten